Wandern ...

Zuerst, wie so oft, eine Bemerkung zum Wetter: Es hat wieder geregnet! Zuerst letztes Weekend in Lusaka (Bild von der Sintflut im Gossner Guesthouse), aber auch in Mpanshya, was der zweiten Generation Mais im Mulele Garten gut getan hat. Überhaupt: diejenigen, die nochmals ein zweites mal angebaut haben, die sind bis jetzt zufrieden und wir beten also noch für weitere paar Wochen Regen. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------- Gestern durften wir mit Benjamin mit auf eine Wanderung: Er musste zur „Communal Beef herd“, also zur Viehherde, die er als Projekt gestartet hat mit der Idee, dass die Bauern ihre Tiere der grossen Herde zuführen, wo sie von einem Team von Hirten von einem Ort zum anderen getrieben werden und durch Benjamin unter anderem auch medizinisch betreut werden. Die Herde verbessert die Bodenqualität in den Gebieten, wo sie weiden, was wiederum die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserversorgung steigert. Dies ist das Prinzip des „Holistic Managements“ (etwas sehr vereinfacht natürlich. Wer mehr wissen will, siehe TED-talk von Allan Savory https://www.ted.com/talks/allan_savory_how_to_green_the_world_s_deserts_and_reverse_climate_change/transcript ). Dieses Prinzip kennen wir auch gut von Chris Henggeler in Australien, auf dessen Farm wir die Rückkehr von Wasser und fruchtbarem Boden durch Viehhaltung über die letzten 25 Jahre mitverfolgen konnten. Die Bauern hier in Mpanshya, die ihre Tiere in die Communal Beef herd geben bekommen den Erlös des Verkaufs ihrer Tiere und müssen nur jedes 3 Kalb abgeben, um die Kosten für die Betreuung zu bezahlen (wer mehr darüber wissen will: http://www.furrerfoundation.com/nutrition-and-agriculture/ ).Wir sind mit Benjamin früh morgens los, wenn es noch nicht so heiss ist. Zuerst fuhren wir etwa eine halbe Stunde ins Chikwenja-Tal hinein. Dort hinten hat Benjamin im Rahmen der Community Training Farm Fischteiche, Schweine und eine Obstplantage angelegt. Von dort sind wir zu Fuss weiter etwa 2 h das Tal hoch bis zur Viehherde gewandert. Wir haben so viel gesehen und gelernt: Afrika, wie wir es noch nicht gekannt haben! Dem Bach entlang, der jetzt in der Regenzeit durchgängig Wasser hat, haben wir verschiedene essbare Früchte, unglaubliche Artenvielfalt der Vegetation (Gräser, Blumen, Bäume und Büsche) und sogar das Nest eines african crowned eagle (grosser Adler) entdeckt. Der Bach hat sich während der letzten 7 Jahre verändert: er fliesst jetzt länger in die Trockezeit hinein und die Vegetation ist dank des fruchtbareren Bodens vielfältiger und viel dichter geworden. Oben angekommen hat uns eine wunderbare Graslandschaft empfangen. Nun war es nicht mehr weit zum kraal (Viehpferch). Die Tiere wurden an diesem Tag gegen Zecken gesprayt. Das macht man alle 14 Tage um die Tiere gegen die Krankheiten zu schützen, die die Zecken hier übertragen. Dafür werden sie in einen engen „Gang" getrieben, wo sie nicht mehr viel Bewegungsspielraum haben und somit gut behandelt werden können. Benjamin musste ausserdem 12 neuen Mitgliedern der Herde die Ohrenmarken setzen, denn die Besitzer sollen ja ihre Tiere wiederbekommen, wenn sie sie wollen. Ausser Rindern hatte es auch noch eine Herde Ziegen und Schafe. Gewisse Schafe hier im südlichen Afrika haben Fettschwänze (siehe Foto), die ihnen das Überleben in der nahrungsarmen Trockenzeit ermöglichen. Auch die Buckel bei gewissen Rindern haben dieselbe Funktion. Um etwa 12 h sind wir wieder heimmarschiert. Es war ein wunderbarer Ausflug und Maurice und ich hatten endlich wieder mal richtig schwere Beine und Muskelkater nachher – wir kommen jederzeit wieder mit, Benjamin!

1.4.18 16:49, kommentieren

Ein „Baumhaus“ ...

Unser kleines Gästehäuschen steht immer noch und ist auch weiterhin bewohnbar. Die Lösung mit den Plastikplanen unter dem Grasdach bewährt sich: es bleibt auch bei festem Regen trocken innendrin. Die Wände allerdings haben arg gelitten, die Risse werden grösser und die Termiten sind sehr fleissig am Werk: sie nagen am Innenleben der Wände, was natürlich nicht zu deren Stabilität beiträgt. Aber bis zur grossen Renovation (oder eher Neubau!) halten sie bestimmt. Die Natur hat sich noch etwas Besonderes ausgedacht: Das Gästehäuschen wird zunehmend zu einem „Baumhaus“ umfunktioniert. Nicht ein Baumhaus wie wir das kennen: ein Haus auf einem Baum, nein, umgekehrt: Bäume auf dem Haus! Der grosse Flamboyant, dieser im November so prachtvoll blühende Riesenbaum in unserem Garten, der macht natürlich auch Samen. Nach der Blüte entwickeln sich die grünen Schoten, die nach und nach dunkelbraun werden und vom Baum fallen (Alex liebt sie als Spielzeug: ich schmeisse sie soweit es geht, und er holt sich die Trophäe und rast damit im Garten rum) Im Inneren befinden sich die Samen. Offenbar ist das alte Grasdach ein wunderbarer Keimboden, denn es wachsen lauter kleine Flamboyants darauf: Ich hoffe, die Wurzeln stärken die Stabilität des Grasdachs und helfen ihm zu überleben bis es ersetzt wird!------------------------------------------------------------------------------------------------Noch eine kleine Sache, typisch für Mpanshya: Wir haben ja keinen Strom vom Netz hier. Strom gibt’s nur per Solarenergie oder Generator. Unser Haus ist gut versorgt mit eigener Solarenergie. Was braucht am meisten Strom? Heizen! Also elektrische Wasserkocher oder auch Bügeleisen sind tabu. Deshalb habe ich nie gebügelt, solange ich alleine in Mpanshya gewohnt habe: meine Kleider sind entweder bügelfrei oder halt zerknittert. Maurice trägt natürlich Hemden hier, ohne Kravatte zwar (zum Leidwesen seiner Angestellten in UMINO, die ihn schon lieber mit Kravatte hätten, das wäre viel mehr „Direktor-like“!), aber eben Hemden. Die müssen auch gebügelt werden, sonst sieht das ja nicht aus, oder? Aber wie? Helen, unsere Haus-Perle, hat das Problem für uns gelöst: sie hat ein unbenutztes, da kaputtes, Kohlebügeleisen von zuhause mitgebracht. Martin vom TCM Metall-Workshop hat es wieder flottgemacht und nun bügelt Helen mit Enthusiasmus und Freude mit diesem schweren, absolut unregulierbar heissen Brockenhaus-Stück Maurice’s Hemden. Mit Grillkohle und Anzündwürfeln wird es zum Glühen gebracht, und dann wird gebügelt, was das Zeug hält. Das Resultat lässt sich sehen: Maurice ist zumindest morgens, wenn er wegfährt, wie aus dem Ei gepellt (mit zunehmender Hitze werden die gebügelten Hemden dann etwas schlapp)!

17.3.18 11:59, kommentieren