Lesen und rechnen ...

Heute mittag haben wir eine Sitzung gehabt: Priscilla, die Chefin der Bäckerei, ihre drei Mitarbeiterinnen Loveness, Monica und Maybel, und ich. Ich habe ihnen zum ersten mal ein paar wenige Zahlen der Bäckerei gezeigt und erklärt: Dass unser lokaler Umsatz viel schlechter ist als letztes Jahr, dass wir aber höhere Personalkosten haben wegen Lohnerhöhung. Dann haben wir diskutiert, welche Gründe dieser Einbruch wohl habe könnte und was wir dagegen tun können. Sie haben alle gut mitgedacht und mitgemacht - es war ein interessanter Austausch mit neuen Ideen und ich habe den Eindruck, dass sie sehr wohl verstehen, dass es uns alle braucht um die Situation wieder ins Lot zu bringen, dass wir alle unseren Eisatz leisten müssen. Am Schluss kam das Gespräch noch auf Maybel, die die Lehre Ende August beenden wird und natürlich wissen will, ob sie weiter bei uns arbeiten kann und welchen Lohn sie dann bekommen wird (in der Lehre hat sie 8 Kwacha bekommen pro Tag, also etwa einen Franken). Priscilla und ich haben ihr erklärt, dass wir sie gerne behalten als Mitarbeiterin, denn sie arbeitet sehr gut und mit viel Enthusiasmus, dass sie aber, da sie weder lesen, schreiben noch rechnen kann (sie hat nie eine Schule besuchen können), nicht alleine die Nachmittagsschicht machen kann, da man am Schluss abrechnen können und manchal auch etwas alleine nach Rezept backen muss, wenn ein Kunde etwas bestellt. Sie hat das verstanden und sagte dann: "Ich würde so gerne lesen, schreiben und rechnen lernen. Was soll ich tun, wenn ich diesen Job hier mal verliere? Dann bleibt mir nichts anderes übrig als bei Bauern auf dem Feld zu helfen, ich kann ja nicht lesen und rechnen." Worauf Monica gesagt hat, dass sie auch gerne lesen, schreiben und rechnen lernen würde, denn sie möchte ihren 6 Kindern ein Vorbild sein können, ihnen in der Schule helfen und zeigen, dass man immer noch etwas dazulernen kann. Und auch Loveness hat sich angeschlossen an diese Bitte. Meine Vorgängerin hat ihnen offensichtlich ein Lese- und ein Rechenbuch geschenkt, aber jetzt, ganz allein auf sich selbst gestellt, ist das schwierig. Mich hat diese Diskussion sehr berührt. Ich bin schon immer der Meinung gewesen, dass Bildung neben Essen und Gesundheit das Wichtigste ist für alle diejenigen, die ihre Lebenssituation wirklich und mit Einsatz verbessern wollen. Ohne Zugang zu Bildung sind sie davon ausgeschlossen. Wir werden etwas unternehmen - ich weiss noch nicht was - aber ich kann diese Frauen nicht enttäuschen, da muss etwas möglich gemacht werden!

18.8.15 16:26

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