Eine Hochzeit ...

Vorgestern Sonntag hat Brian, der Manager von TCM, seine langjährige Frau Helen geheiratet – was??? Das ist so: Sie sind schon seit mehreren Jahren traditionell verheiratet und haben 2 Kinder. Gestern nun haben sie diesen Bund auch noch in der Kirche segnen lassen, was, wie mir gesagt wurde, auch rechtlich anerkannt wird. Unsere Freundin Thesi, Maurice und ich waren also mit vielen, vielen anderen Leuten gestern um 9h in der Kirche. Zuerst wurden etwa 10 Kinder getauft. Die Eltern und Paten standen mit den Kindern mangels Platz im Gang der Kirche hintereinander aufgereiht, und der Pfarrer hat sie nacheinander „abgeschritten“ und getauft. Natürlich wurde viel musiziert, gesungen und getanzt in der Kirche. Auch die Brautjungfern, hübsch in pinken, ganz engen Kleidern, haben freudvoll die Hüften geschwungen Das Brautpaar war chic: Helen im wunderschönen weissen Kleid und Brian im Massanzug, denn seine Frau ist talentierte Schneiderin. Das Hereintragen der Opfergaben für den Pfarrer wird auch immer tanzend erledigt. Diesmal haben die Familien der getauften Kinder und der Brautleute diese Spenden überbracht, hier Brian und Helen mit der Kiste Cola für Father Michael: Auch zu jedem Lied wurde heftig getanzt Ab 14h waren wir Gäste geladen in die Ostrich Lodge, die einzige Lodge hier in Mpanshya. Diejenigen, die eine Einladungskarte vorweisen konnten, wurden reingelassen. Es waren bestimmt 200 – 300 Leute zum Feiern gekommen. Auf der Einladung stand auch, was man als Geschenk mitzubringen hatte: 100 Kwacha (ca. 10 CHF) pro Person und/oder andere Geschenke. Maurice und ich sind uns nicht sicher, ob wirklich alle geladenen Gäste diesen Betrag bezahlen konnten, denn das ist ziemlich viel Geld hier. Andererseits könnte Brian ohne Beiträge der Gäste wohl niemals so ein Fest finanzieren. Ob das nun eine moderne Hochzeit mit traditionellen Einlagen oder eine englische Hochzeit (aus der Kolonialzeit) mit sambischem Einschlag war, das konnten wir nicht definieren – wir haben das Fest jedenfalls sehr genossen!! Der offizielle Teil begann mit dem Einzug der Blumenkinder (wovon 2 natürlich ihre eigenen, Joachina und Moffat, waren), dann dem Herein-Tanzen des Bräutigams Brian. Er wurde begleitet vom Trauzeugen und einer ganz tollen jungen Tanztruppe. Danach kam Helen „angetanzt“. Das Brautpaar setzte sich mit den Trauzeugen und den Blumenkindern unter dem Baldachin und sah ernst und formell in die Runde. Ausserdem sass da noch die Tanztruppe, wenn sie nicht gerade in Aktion war. Die Tanzshows waren mitreissend und überhaupt ist das Tanzen eine ganz natürliche Art der Fortbewegung für alle an so einem Fest: auch Priscilla hat lustvoll mitgetanzt, die Braut, die Familien und Freunde, alle, alt und jung, gross und auch schon ganz klein, einfach alle tanzen mit Freude!

1.5.18 10:05, kommentieren

Wandern ...

Zuerst, wie so oft, eine Bemerkung zum Wetter: Es hat wieder geregnet! Zuerst letztes Weekend in Lusaka (Bild von der Sintflut im Gossner Guesthouse), aber auch in Mpanshya, was der zweiten Generation Mais im Mulele Garten gut getan hat. Überhaupt: diejenigen, die nochmals ein zweites mal angebaut haben, die sind bis jetzt zufrieden und wir beten also noch für weitere paar Wochen Regen. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------- Gestern durften wir mit Benjamin mit auf eine Wanderung: Er musste zur „Communal Beef herd“, also zur Viehherde, die er als Projekt gestartet hat mit der Idee, dass die Bauern ihre Tiere der grossen Herde zuführen, wo sie von einem Team von Hirten von einem Ort zum anderen getrieben werden und durch Benjamin unter anderem auch medizinisch betreut werden. Die Herde verbessert die Bodenqualität in den Gebieten, wo sie weiden, was wiederum die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserversorgung steigert. Dies ist das Prinzip des „Holistic Managements“ (etwas sehr vereinfacht natürlich. Wer mehr wissen will, siehe TED-talk von Allan Savory https://www.ted.com/talks/allan_savory_how_to_green_the_world_s_deserts_and_reverse_climate_change/transcript ). Dieses Prinzip kennen wir auch gut von Chris Henggeler in Australien, auf dessen Farm wir die Rückkehr von Wasser und fruchtbarem Boden durch Viehhaltung über die letzten 25 Jahre mitverfolgen konnten. Die Bauern hier in Mpanshya, die ihre Tiere in die Communal Beef herd geben bekommen den Erlös des Verkaufs ihrer Tiere und müssen nur jedes 3 Kalb abgeben, um die Kosten für die Betreuung zu bezahlen (wer mehr darüber wissen will: http://www.furrerfoundation.com/nutrition-and-agriculture/ ).Wir sind mit Benjamin früh morgens los, wenn es noch nicht so heiss ist. Zuerst fuhren wir etwa eine halbe Stunde ins Chikwenja-Tal hinein. Dort hinten hat Benjamin im Rahmen der Community Training Farm Fischteiche, Schweine und eine Obstplantage angelegt. Von dort sind wir zu Fuss weiter etwa 2 h das Tal hoch bis zur Viehherde gewandert. Wir haben so viel gesehen und gelernt: Afrika, wie wir es noch nicht gekannt haben! Dem Bach entlang, der jetzt in der Regenzeit durchgängig Wasser hat, haben wir verschiedene essbare Früchte, unglaubliche Artenvielfalt der Vegetation (Gräser, Blumen, Bäume und Büsche) und sogar das Nest eines african crowned eagle (grosser Adler) entdeckt. Der Bach hat sich während der letzten 7 Jahre verändert: er fliesst jetzt länger in die Trockezeit hinein und die Vegetation ist dank des fruchtbareren Bodens vielfältiger und viel dichter geworden. Oben angekommen hat uns eine wunderbare Graslandschaft empfangen. Nun war es nicht mehr weit zum kraal (Viehpferch). Die Tiere wurden an diesem Tag gegen Zecken gesprayt. Das macht man alle 14 Tage um die Tiere gegen die Krankheiten zu schützen, die die Zecken hier übertragen. Dafür werden sie in einen engen „Gang" getrieben, wo sie nicht mehr viel Bewegungsspielraum haben und somit gut behandelt werden können. Benjamin musste ausserdem 12 neuen Mitgliedern der Herde die Ohrenmarken setzen, denn die Besitzer sollen ja ihre Tiere wiederbekommen, wenn sie sie wollen. Ausser Rindern hatte es auch noch eine Herde Ziegen und Schafe. Gewisse Schafe hier im südlichen Afrika haben Fettschwänze (siehe Foto), die ihnen das Überleben in der nahrungsarmen Trockenzeit ermöglichen. Auch die Buckel bei gewissen Rindern haben dieselbe Funktion. Um etwa 12 h sind wir wieder heimmarschiert. Es war ein wunderbarer Ausflug und Maurice und ich hatten endlich wieder mal richtig schwere Beine und Muskelkater nachher – wir kommen jederzeit wieder mit, Benjamin!

1.4.18 16:49, kommentieren